AUSTRIAN AQUANET

Erste „Gehversuche“ mit Aquarien - Neugier und Forscherdrang

Datum: Samstag, 27. Oktober 2007
Thema: Journal

Konsulent OSR Alfred Hollinetz



Wer mit offenen Augen und
Ohren durch die Natur streift, begegnet auf Schritt und Tritt kleinen und
großen Wundern. Viele davon ereignen sich in Teichen, Tümpeln und Bächen.



 



Mich zieht es schon seit
meiner frühen Jugend zum Wasser und es schlägt heute noch das Herz höher, wenn
ich im Fluss zwischen den Steinen eine Koppe entdecke oder in einem Tümpel der
„großen Mörderin“, der Larve des Gelbrandkäfers begegne. Ein 5-Liter-Gurkenglas
war mein erstes Aquarium, in dem ich kurzzeitig verschiedene Gäste aus der
Natur beherbergte: Wasserflöhe, die sich in der Sonne zu kleinen roten Bällen
zusammenrotteten, Hüpferlinge, die mit ihren langen Antennen ruckartig durch
das Wasser ruderten, und verschiedene Insektenlarven. Schon die bei uns
vorkommenden Mückenlarven sind einer genaueren Beobachtung wert, wenn sie schräg
unter der Wasseroberfläche hängen um zu atmen oder sich wie lebendige
Fragezeichen durch das Wasser schlagen. Wer hat schon die seltsamen
Köcherfliegen beobachtet, die sich ein Haus aus Holzstäbchen, Schneckenhäusern
oder kleinen Steinchen bauen? Wen fasziniert nicht die Jagdmethode einer
Libellenlarve, die mit einer ausklappbaren Unterlippe und einer tödlichen
Greifzange nach Kaulquappen schießt? Auch verschiedene Teichpflanzen fanden den
Weg in mein Gurkenglas, z. B. Laichkraut, Wasserpest und Tausendblatt. Mit den
Pflanzen schleppte ich auch die ersten Hydren, die Süßwasserpolypen ein. Sie
setzten sich an der hellen Seite des Glases fest und angelten mit ihren
Tentakeln nach Wasserflöhen. Die interessanten Tiere waren der Anlass, mit
einer Lupe und später mit dem Mikroskop auch in die Welt der Kleinlebewesen
einzudringen. Kurzzeitig beherbergte ich auch Teichmolche, die damals noch in
jedem Wasserbassin zu finden waren. Bei Fischen stieß, ich bald an meine
Grenzen.


 
 

© H. Gruber






Adulter Gelbrandkäfer.

Goldfische interessierten mich
nicht sonderlich und für Fische aus der Natur war mein Glas einfach zu klein,
vom Sauerstoffproblem ganz abgesehen.




 
 

© H. Gruber






Larve des Gelbrandkäfers.



In einer Zoohandlung erwarb ich
meine ersten Aquarienfische: einen Katzenwels und einen Sonnenbarsch, beides
Kaltwasserfische, die ohne Heizung auskamen. Der Sonnenbarsch ist ja bei uns
praktisch verschwunden, seit er – von ahnungslosen Aquarianern in der Natur
ausgesetzt – als „Faunenverfälscher“ ähnlich wie die Rotwangenschildkröte
geächtet wird. Für mich war er der Grund, mit 13 Jahren mein erstes, richtiges
Aquarium zu erwerben, nachdem das ersparte Taschengeld dafür ausreichte. Es war
ein Gestellaquarium – eigentlich war es nur das Gestell, denn die Glasscheiben
musste ich mir selbst einkitten. Ich wollte auch eine Luftpumpe haben. Membranpumpen
waren aber damals noch sehr teuer und so baute ich mir meine erste Pumpe
selbst. Es war eine Kolbenpumpe, zusammengebastelt aus Teilen eines
abgestürzten Flugzeuges aus dem 2. Weltkrieg. Der Dämpfzylinder des
Wendezeigers war das Herzstück. Das Ding fauchte wie eine Dampfmaschine und
spie riesige Luftblasen ins Becken, aber es funktionierte. Nur meine Mutter war
über das laute Geräusch nicht erbaut und ich durfte mein Aquarium nur auf der
Terrasse betreiben. 




Die Lust am Basteln ist mir seit
dieser Zeit bis heute geblieben. Erst vor kurzem habe ich mir einen
großvolumigen Filter für mein 700-Liter-Aquarium selbst gebaut. Im Laufe der
Jahre habe ich dann natürlich auch – wie viele Aquarianer – die interessante
Erfahrung gemacht, dass Aquarien „Junge“ bekommen. Zuerst waren es einige
kleine Zuchtaquarien, heute sind es 25. Weit über 100 Fischarten hatte ich
seither bei mir zu Gast und die meisten haben sich in meinen Aquarien auch
fortgepflanzt, was natürlich nur möglich war, weil ich mich über die Lebensweise,
die Haltungsbedingungen und  die
Futteranforderungen der Arten immer ausreichend informierte und vor allem meine
Tiere  immer genau beobachtete. Zurzeit
pflege ich vor allem Lebendgebärende, Regenbogenfische, Cichliden und
Labyrinther.




Leider ist schon vieles verloren
gegangen oder doch sehr selten zu finden, was in meiner Jugend noch in der
nächstbesten Hauslacke zu finden war. Unsere Landschaft ist arm geworden an
Feuchtbiotopen und man muss schon eine Weile suchen, um einen intakten Teich
mit einem guten Molchbesatz, mit Unken oder Wasserfröschen zu finden.
Kammmolche habe ich schon einige Jahre nicht mehr gesehen. Wenn wir etwas von
diesen kleinen Paradiesen und unsere gesamte Umwelt erhalten wollen, müssen wir
mithelfen, das Verständnis dafür zu wecken. Begeisterung, Neugier und
Forscherdrang sind auch heute noch Motive für junge Leute, sich trotz heftiger
Konkurrenz von Computer, Handy und MP 3-Player mit den kleinen und großen
Wundern der Natur zu beschäftigen. Ich freue mich immer, wenn Mädchen und Buben
meine kleine Fischzuchtanlage besuchen, sich Tipps und Ratschläge holen oder im
Mikroskop staunend Salinenkrebse, Rädertierchen oder Kugelalgen betrachten. Die
Kenntnis von Naturvorgängen ist eine wichtige Voraussetzung, um später einmal
aktiv an der Verbesserung unserer Umweltsituation mitgestalten zu können.



Mit freundlicher Genehmigung der
Redaktion der ATInfo und des Verfassers  übernommen
.







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