von Christine StröhleinSpinnen – schon allein der Gedanke an diese Tiere genügt, um bei vielen
Menschen ein Gefühl von Ekel zu erzeugen. In den seltensten Fällen
lässt sich dies aber rational erklären.
Spinnen zählen, wie von sehr vielen Menschen angenommen, keineswegs zur
Familie der Insekten. Sie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, so
sind beispielsweise Kopf und Brust zusammen gewachsen, es existieren
vier Beinpaare (Insekten besitzen nur drei), aber keine Fühler. Alle
Spinnen sind Fleischfresser, wobei man zwischen Netzspinnen und
Jagdspinnen unterscheidet. Seidenfäden werden in Drüsen produziert,
werden durch die Spinnwarzen am Hinterleib gedrückt und mit den Beinen
herausgezogen. Die meisten Netzspinnen haben acht einfache Augen.
Jagdspinnen haben andere Fangmethoden, sie verfügen über kräftige Beine
zum Anspringen ihrer Opfer und über scharfe Augen, um die Beute
entsprechend zu erkennen.
Woher aber kommt nun die Angst vieler Menschen vor Spinnen? Ist es ihre
anschleichend wirkende Art, sich fortzubewegen? Ist es womöglich die
Furcht, von ihnen gebissen zu werden? Redensarten wie „Pfui Spinne“ und
der sprichwörtliche Aberglaube von der „Spinne am Morgen“ zeugen
bereits sprachlich von der geringen Sympathie des Menschen gegenüber
den Achtbeinern. Dabei geht es bei dem Sprichwort „Spinne am Morgen,
Kummer und Sorgen“ ursprünglich überhaupt nicht um das Tier; vielmehr
hat das Spinnen von Wolle im Mittelalter gutes Geld eingebracht, wobei
arme Leute aber schon sehr früh am Morgen damit beginnen mussten, um
genügend zu verdienen.
Die Aversion des Menschen gegenüber Spinnen machte sich die
Filmindustrie zu Nutze, indem es in schaurig anmutenden Szenen häufig
große, behaarte Vogelspinnen zum Einsatz bringt und diese Tiere teils
sogar zu einer globalen Bedrohung hochstilisiert, um beim Zuschauer
Gänsehaut zu erzeugen.
Nun ist aber gerade diese Spinnenart für den gesunden Menschen als ungefährlich anzusehen.
Die Vogelspinne
Vogelspinnen existieren bereits seit mehr als 300 Millionen Jahren auf
unserem Planeten und gehörten im Karbonzeitalter sogar zu den
häufigsten Spinnen überhaupt. Die Naturforscherin Maria Sybilla Merian
zeichnete auf einer ihrer Reisen, die sie Ende des 17., Anfang des 18.
Jahrhunderts nach Surinam führten, eine große, gerade einen Vogel
verspeisende Spinne, was zum wissenschaftlichen Namen Aranea avicularia
(zu deutsch „Vogelspinne“) führte. Sie zählen zur Gruppe der
wirbellosen Tiere, die wiederum in verschiedene Untergruppen aufgeteilt
ist. Der Stamm der Gliederfüßer verzweigt sich in Spinnentierverwandte
(Arachnata), in die Klasse der Spinnentiere (Arachnida) und letztlich
in die Ordnung Echte Spinnen oder Webspinnen (Araneae). Die darin
nun integrierten Vogelspinnen (unter ihnen die größten heute überhaupt
lebenden Spinnen) besiedeln mit etwa 800 Arten weite Bereiche der
Tropen und Subtropen.
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| Bodenbewohnende Vogelspinne Brachypelma albopilosum (Kraushaar-Vogelspinne). Verbreitungsgebiet: Costa Rica, Guatemala, Honduras; sie lebt dort im Regenwald in Röhren unter Steinen. |
Vogelspinnen sind überwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv und gelten
als Lauerjäger, bauen also keine Fangnetze wie andere Spinnen, sondern
warten, bis mögliche Beute ihren Weg kreuzt. Futtertiere sind
überwiegend Insekten, größere Vogelspinnen bevorzugen ab und zu aber
auch kleinere Mäuse, Vögel oder Echsen. Mit ihrem gezielten Giftbiss
spritzt sie gleichzeitig eine Verdauungsflüssigkeit in den Körper der
Beute, die diesen dann nach und nach auflöst und verflüssigt. Somit
kann die Spinne, die aufgrund ihres engen Schlundes keine großen Teile
verzehren kann, diesen Nahrungsbrei aufsaugen.
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| Brachypelma smithi (Rot-Knie Vogelspinne) Verbreitungsgebiet: Mexiko, Wüste und Halbwüste; sie baut Röhren unter Steinen und in Hänge. |
Die durchschnittliche Lebensdauer einer Vogelspinne liegt bei etwa 4
bis 10 Jahren beim Männchen (diese sterben häufig 2 bis 3 Jahre nach
der Geschlechtsreife) und bis zu 25 Jahren bei weiblichen Tieren. Im
Laufe dieser Zeit müssen sich Vogelspinnen mehrmals häuten. Hierzu
legen sich die meisten Arten auf den Rücken und pressen große Mengen
Blut in den Vorderleib, bis schließlich die Naht zu den Gliedmaßen
aufplatzt. Nachdem auch noch der Chitindeckel des Vorderleibes beiseite
gefallen ist, kann die Spinne langsam aus ihrer alten Haut
heraussteigen.
Gefahr für den Menschen
Wie alle Spinnen erbeutet auch die Vogelspinne ihr Futter mit einem
Lähmungsgift. Ein solcher Biss ist zwar schmerzhaft, aber für Menschen
weitaus ungefährlicher als von vielen angenommen. Wegen der Gefahr
einer Blutvergiftung ist es zwar immer ratsam, einen Arzt aufzusuchen,
das Gift an sich ist aber lediglich mit dem einer Biene oder Wespe zu
vergleichen und für einen gesunden Menschen daher problemlos zu
verkraften. Bei Allergikern ist ein lebensbedrohlicher Schock
allerdings nicht ganz auszuschließen. Vogelspinnen aus Amerika
beherrschen eine besondere Form der Verteidigung; sie wenden Angreifern
ihr Abdomen (Hinterleib) zu und streifen dem Feind die dort
befindlichen Brennhaare mit schnellen Bewegungen entgegen – Menschen
spüren die Wirkung als starkes Jucken und Brennen auf der Haut, beim
Einatmen kann die Lunge geschädigt werden.
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| Kinder nehmen Tiere bis zu einem gewissen Alter völlig angstfrei in die Hand, wobei sich dieses unvoreingenommene Verhalten je nach Reaktion der Eltern oder Umwelt festigen oder abändern wird. |
Im idea DschungelParadies Neuenmarkt, einer einzigartigen naturnahen
Anlage in Bayern, leben neben vielen hundert tropischen Tag- und
Nachtfaltern auch eine größere Anzahl verschiedener Terrarientiere im
Eingangsbereich, darunter vier bodenbewohnende Vogelspinnen aus Mittel-
und Südamerika.
Weitere Infos unter:
www.dschungelparadies.de oder bei idea DschungelParadies
Neuenmarkt, Ströhlein GdbR, Wirsberger Straße 12, D-95339 Neuenmarkt,
Telefon 0 92 27/90 25 25 (Frau Christine Ströhlein,
Geschäftsführerin). Fax 0 92 27/90 25 26 E-mail idea@schmetterlingspark.de
Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der ATInfo und des Autors.


