Dieser Beitrag ist weniger für die "Alten Hasen" gedacht, da diesebereits selbst viele Erfahrungen diesbezüglich sammeln konnten, sondern
eher für Anfänger.
Seit es das Internet gibt, haben wir alle Gott sei Dank die Möglichkeit
uns auf einfachsten und schnellsten Weg mit erfahrenen Aquarianern in
Verbindung zu setzen und diverse Meinungen auszutauschen und Fragen zu
stellen bzw. zu beantworten. (Informieren)
Immer wieder
bemerke ich dabei, daß Fragen bezüglich Gesundheit der Tiere die wir
pflegen gestellt werden, hauptsächlich handelt es sich dabei um kurz
zuvor erworbene AQ Bewohner, mit anschl. Frage was soll ich tun.
Die Schwierigkeit darauf zu antworten ergibt sich meist durch den
Umstand, daß erst bei Nachhacken diverse Parameter zu Wasserwerten etc.
gegeben werden.
Aber selbst wenn Werte vorhanden sind, sind
Antworten immer mit Skepsis zu betrachten da Ferndiagnosen, immer ein
Restrisiko in sich bergen und keinerlei Garantie für Richtigkeit
besitzen ja manchmal überhaupt unmöglich sind.
Leider wird
dabei speziell von Anfängern oft viel zu schnell, zu diesem und jenem
Mittelchen gegriffen ohne, daß eine exakte Diagnose vorliegt.
Ich
denke und stehe mit dieser Meinung sicher nicht alleine, dass man außer
bei akuten Erkrankungen, durchaus versuchen sollte, erst mal die
Hälterungsbedingungen auf das höchst mögliche Maß zu bringen, also für
die jeweilige Spezies eine möglichst maximale Wasserqualität
herzustellen und des weiteren dass Immunsystem des Tieres durch
möglichst abwechslungsreiches und mit Vitamin – Spurenelemente
versetzten Futters zu stärken, sowie vorerst eine Weile nur genau zu
beobachten.
Schließlich fühlen wir uns auch nicht jeden Tag gleich wohl und nehmen wegen eines Pickels gleich ein Medikament.
Am Beispiel Diskus möchte ich euch erzählen, daß vieles ganz anders sein kann als man pers. der festen Überzeugung ist.
Als ich mich bei einem Händler nah der österr. Grenze umgeschaut hatte,
sah ich eine Menge Diskus, die gar nicht gut aussahen, (halbwüchsig)
jedoch von Grund schön gezeichnet, dies zeigten sie aber eher nicht.
Sie schwammen in reinen Leitungswasser, weiß der Teufel wie das dort
von den WW aussieht. Die einzige Fütterung bestand aus lebende Tubifex
in Massen.
Es war keinerlei Medikamentierung erkennbar. Alle
zeigten durchaus dunkelste Färbung, einige waren offensichtlich
ziemlich krank.
Als ich mich mit dem Händler näher
unterhielt, gewann ich den Eindruck, daß dieser entweder keine Ahnung
von Diskus hatte, oder sich dümmer stellte als er war.
Da
kam mir die Idee in mein bis dahin nicht besetzten 240lt.
Quarantäne-Becken den Versuch zu starten zwei der kleinen Kerle zu
retten. Also nahm ich zwei mit, wohl wissentlich, daß ich sicher noch
Probleme bekommen werde.
Als ich nach Hause kam lagen sie bereits im Transport- Behältnis. Nach ca. einer Stunde schwammen sie wieder.
Um einen Vergleich zu haben, besorgte ich mir einen, ebenfalls unter
den gleichen Voraussetzungen gehaltenen kl. Diskus bei Hornbach in
Wien.
Es stellte sich dann über eine Woche heraus, daß
offensichtlich der kleine von H. am stabilsten erschien alles fraß und
eigentlich in meinem vorbereiteten Wasser gut aussah.
Keinerlei Erkrankungssymptome für mich Erkennbar.
Die beiden etwas größeren kannten offensichtlich nur Tubifex und nahmen
sonst auch nichts anderes, nach einer Woche hatte ich beobachtet, daß
sie sehr zögerlich und wenig, auch mal ein Körnchen Granulat vom Boden
nahmen.
Es war mir wohl bewusst, daß ich somit genau so
gehandelt hatte wie man eigentlich, bei Kauf eines Tieres nicht
vorgehen sollte.
Als ich zwei Tage später nach Hause kam war
der Kleinste tot, was ich überhaupt nicht verstehen konnte, da er
keinerlei Symptome am Morgen gezeigt hatte, sondern putzmunter
erschien, wesentlich gesünder als die beiden anderen.
Konnte er sich überfressen haben?
Die beiden anderen fühlten sich nach wie vor noch nicht wohl, fraßen nur zögerlich.
Meine erste Diagnose war enormer Flagellatenbefall und Kiemenwürmer.
Durch heftigste Atmung, anlegen einer Flosse einseitiges Atmen, weißer
Kot etc. stand nach kurzer Zeit diese Diagnose für mich eigentlich
eindeutig fest. Nachweisen konnte ich dies aber mangels eines
Mikroskopes sowie fehlender Fachpraxis dazu, freilich nicht.
Ich begann Tubifex in Vitaminen und Preis Coly vor der Verfütterung zu
baden (nahezu pur) um zu gewährleisten, dass sie überhaupt was fraßen.
Dazu sollte man wissen, dass Preis Coly üblicherweise selbst bei
vierfacher Überdosierung keinen Schaden anrichtet und selbst bei
erfahrenen Diskuszüchter kaum als Medikament angesehen wird.
Das Wasser hatte ich vor dem einsetzen der Tiere, so weit als dies möglich ist, an Amazonas Werten angepasst.
Diese Geschichte hatte ich in einigen Foren reingestellt und um Rat
gebeten. Ich bekam auch viele fachlich einwandfreie Ratschläge,
durchaus auch von erfahrensten Diskuszüchter, welche ich dankbar und
gerne entgegennahm, die mir aber durch das Fehlen eines Mikroskops nur
wenig nützten.
Mit diesem Fehlen eine eindeutige Diagnose
nachzuweisen handelte ich mir teilw. heftige Kritik ein. (Was ich
rückwirkend betrachtet durchaus verstehe)
Erschwerend kam noch der Gedanke, wie sollte ich als Laie, einen Kiemenabstrich machen.
Alleine bei dem Gedanken wurde mir schon übel, was da alles passieren könnte.
Sollte ich ohne diese nachweisbare Diagnose trotzdem medikamentieren?
Um bei event. Irrtum die ohnehin geschwächten Tier zusätzlichen enormen Stress auszusetzen?
Ich tat es nicht.
Meine Bemühungen gingen zu max. Wasserqualität und Immunverstärkung wie beschrieben.
Dafür wurde ich vereinzelt durchaus belächelt.
FAZIT:
Heute nach ca. zwölf Wochen, sind keinerlei Erkrankungssymptome optisch
erkennbar und sie schwimmen in meinem großen Becken mit den Anderen,
mit denen sie sich bereits um das Futter streiten.
Freilich, lebende Tubifex sind nicht mehr im Angebot.
Warum ich das erzähle? Um Anfänger dazu zu ermuntern, bzw. einen
Denkanstoß zu liefern, sich zusätzlich auch in die Materie einzulesen,
um so viel Grund- Wissen wie möglich zu sammeln, um wenn es darauf
ankommt, sich auch in die Lage versetzen zu können positive (zumindest
vorübergehende) Alternativlösungen zu finden, sowie zu lernen die
Qualität von Antworten dem jeweiligen Thema entsprechend, auch selbst
einschätzen zu können.
Des weiteren, nicht ohne eindeutige
Diagnose ein schweres Medikament einzusetzen, welches in meinem Fall
verm. zum Tod der Tiere geführt hätte.
Der Umwelt- Aspekt scheint mir dabei zus. Diskussionswürdig.
Meine angenommenen Diagnose war sicher falsch, da Kiemenwürmer nicht
von selbst verschwinden, spez. bei einem derart geschwächten Zustand,
ist eher das Gegenteil die explosionsartigen Vermehrung der Parasiten
zu erwarten.
Ich möchte ausdrücklich betonen, um nicht falsch verstanden zu werden:
Es gilt natürlich weiterhin spez. für Anfänger der Grundsatz:
Fragen, fragen, fragen wir helfen gerne.
Wenn sich in Folge Antworten auf Fragen, mit den Vermutungen und Wissen des Fragenden decken, umso besser.
Gruß
Fritz
