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Erstmalige Nachzucht von Blauzungenskinken im Vivarium des Naturhist. Museum  
Geschrieben von kekule am Freitag, 23. November 2007

Terraristik

Mag. Gerald Benyr


Leiter der Vivaristik
am Naturhistorischen Museum Wien




 


In Australien und Neuguinea gibt es keine Landschildkröten. Deren Rolle im Ökosystem nehmen dort Skinkarten, besonders die Blauzungenskinke der Gattung Tiliqua, ein. Sie sind groß, massig und durch einen Knochenpanzer unter der Haut gut geschützt. Ihre Beine wirken im Vergleich zum Körper zierlich und so verwundert es nicht, daß Blauzungenskinke sich vor allem auf dem Bauch rutschend fortbewegen. Namensgebend ist ihre leuchtend blaue Zunge, die einem Angreifer bei weit geöffnetem Maul zur Abschreckung entgegengestreckt wird. Aufgrund der sehr kräftigen Kiefer ist diese Warnung durchaus ernstzunehmend. Bei der Ernährung sind Blauzungenskinke Opportunisten, die neben vielen Pflanzenarten auch alle kleineren und mittelgroßen Insekten, Amphibien und Echsen verschlingen und auch vor Aas nicht  zurückschrecken. Außergewöhnlich ist auch die Fortpflanzung der Blauzungenskinke. Sie legen keine Eier, sondern gebären voll entwickelte Jungtiere. Aufgrund der enormen Größe der jungen Skinke ist eine solche Geburt ein wirklich besonderes Ereignis. Groß war daher die Freude im Vivarium des Naturhistorischen Museum Wien (Burgring 7, A-1010 Wien) als
am Nachmittag des 18. Oktober plötzlich 8 Jungtiere um das Muttertier herum saßen. Diese sind nicht nur kerngesund, sondern auch sehr rundlich, so daß es wie ein Wunder anmutet, daß sie sich alle zugleich im Leib der Mutter befunden haben.


 
 




 

Für das Weibchen ist eine solche Schwangerschaft eine enorme Belastung. Sie wog nach der Geburt nur noch 650 Gramm, was weniger als zwei Drittel ihres Normalgewichts ist. Dafür brachten die Jungtiere zusammen stattliche 300 Gramm auf die Waage. Mit einer durchschnittlichen Länge von 179 mm von denen nur 70 mm auf den Schwanz entfallen, besitzen die Jungtiere bereits ein Drittel der Länge desMuttertieres.

 
 


 

Das Gebären von fertig entwickelten Jungtieren ist bei Reptilien eine nicht seltene Anpassung
an ein Leben in kühlen Gebieten. Das trifft aber auf die überwiegend im Flachland der Tropen und Subtropen vorkommenden Blauzungenskinke überhaupt nicht zu. Vielleicht liegt der Vorteil dieses Fortpflanzungsmodus bei ihnen darin, daß die Eier im Muttertier durch dessen Panzerung und Wehrhaftigkeit besonders gut geschützt sind. Die Riesenhaftigkeit der Jungtiere läßt sich jedenfalls
damit erklären, daß der Prädationsdruck sehr von der Körpergröße der Tiere abhängt. Panzerung und Bißkraft erbringen bei kleinen Tieren keine ausreichende Schutzfunktion. Zudem lebt die Mehrzahl der Blauzungenskinke in Lebensräumen mit stark schwankendem Nahrungsangebot. Größere Jungtiere sind hier im Vorteil, weil sie auch längere Hungerperioden überstehen können.

 
 


 

Alle acht Nachzuchttiere sind seit 29. Oktober 2007 in einem eigenen Terrarium im Vivarienraum des Museums zu besichtigen. Erwachsene Blauzungenskinke kann man im Australienterrarium in der oberen Kuppelhalle sehen, wo sie gemeinsam mit Bartagamenund Kragenechsen leben.


Erstmalige Nachzucht von Blauzungenskinken im Vivarium des Naturhist. Museum

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