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Gefährliche Beifänge  
Geschrieben von kekule am Sonntag, 03. Juni 2007

Süsswasser

Lothar Zenner

Gefährliche Beifänge in Form von Parasiten oder Erreger verschiedener Fischkrankheiten glauben viele Aquarianer durch die Verwendung von Frostfutter zu vermeiden. Dabei gibt es bis heute keinen Beweis, dass derartige Gefahren durch Frostung sicher abgewendet sind.

Dem gegenüber stehen durchweg positive Erfahrungen mit täglich frischem
Lebendfutter bei der Aufzucht von Zwergbuntbarschen, Eierlegenden
Zahnkarpfen, Labyrinthfischen und Salmlern. Da dies in bekannten Fällen
bereits in der zweiten und dritten Züchtergeneration praktiziert wird,
können die Futterfänger all die Jahrzehnte nicht einfach nur „Schwein
gehabt“ haben. Vielmehr stellt sich hier eher die Frage, was an der
vermeintlichen Gefahr ist Legende und was Realität? Natürlich werden
Hersteller und Vertreiber von Frostfutter der Gefahr das Wort reden.
Den Erfahrungen und Argumenten der Züchter mit Teicherfahrung werden
sie wohl kaum standhalten. Abgesehen davon, dass bestimmte Arten von
heimischem Zooplankton (Saisonal) das wertvollste Lebendfutter
überhaupt sind, ist dieser keineswegs ständige Quell von Infektionen
oder Träger ernstzunehmender Parasiten. Sonst würden Züchtereien nicht
schon so lange existieren. Ebenso würden ja auch die Teichwirte nicht
ruhig zusehen, wie ihre Nutzfische sterben.


 
 

© Fotos: H. Gruber






Der räuberische Gelbrandkäfer, Dytiscus marginalis (im Bild ein
Weibchen), ist einer der größten in stehenden Kleingewässern
vorkommenden Schwimmkäfer.



Als tatsächlich ernstzunehmende „Beifänge“ in der Hobbyfischzucht seien
hier genannt: Wasserläufer (Gerris), Karpfenlaus (Argulus), Fischegel
(Piscicola), div. Wasserwanzen (Notonecta), der Wasserskorpion (Nepa),
die Larven einiger Wasserkäfer, darunter die des geschützten
Gelbrandkäfers (Dytiscus), sowie die ebenfalls geschützten
Libellenlarven. Häufiger Beifang sind Wasserzikaden (Corixinae) und
gelegentlich Wassermilben. Beide aber sind völlig harmlos. Gelegentlich
gehen auch Larven der Köcherfliegen ins Netz. Diese aber schaden nur
den Pflanzen, welche sie zerkleinert für ihren „Wohnungsbau“ verwenden.
Alle hier genannten Organismen lassen sich – sollten sie doch einmal
ins Netz gehen – mit einem Sieb mühelos von Zooplankton trennen.
Empfohlene Maschenweite zwei Millimeter. Der Siebinhalt ist unmittelbar
nach dem Fang zurück ins Gewässer zu geben! (Artenschutz)



 
 

© Fotos: O. Böhm





Die kräftigen, als Greiforgane ausgebildeten Vorderbeine verraten die
Ernährungsweise des Wasserskorpions, Nepa rubra. Die Tiere sind
Lauerjäger, sie lauern zwischen den Wasserpflanzen auf zufällig
vorbeischwimmende Beutetiere: kleine Insekten bzw. deren Larven,
Kaulquappen, Jungfische oder andere Kleintiere. Kommen diese den
Fangwerkzeugen zu nahe, so klappt der Unterschenkel wie die Klinge
eines Taschenmessers gegen den Oberschenkel, die Beute wird eingeklemmt
und mit dem Stechrüssel angestochen und dann auf Wanzenart ausgesaugt.





Etwa ab Mitte Mai, wenn die Winterpopulation der Hüpferlinge
(Cyklopidae) zurückgeht, vertreibt ein berüchtigtes planktonisches
Geschöpf viele Züchter von den Teichen. Es sind die gefürchteten
„Stecher“. Dabei handelt es sich vermutlich um verstärkt räuberisch
lebende Hüpferlinge der Familie Copepoda! Sie beherrschen ab Juni die
Szene total. Dabei wird beobachtet, dass stark besonnte Gewässer
bevorzugte Lebensräume dieser Plage sind. Vor ihnen warnt bis heute
kein Fachbuch, und kein Bestimmungsbuch führt sie auf.

 
 

© Fotos: H. Gruber







Im Gegensatz zu den Käfern verdauen die Larven des Gelbrandkäfers ihre
Nahrung extraintestinal: Die mächtigen Mandibeln sind an der Innenseite
mit verdeckten Rinnen ausgestattet, durch die Gift und Verdauungssekret
in die Beute injiziert wird. Die Beute wird so zersetzt und die
entstehende Flüssigkeit aufgesaugt.




Aber Jahr für
Jahr fällt ihnen diverse Fischbrut im Freiland wie in Aquarien zum
Opfer. Dieser Kleinkrebs schwimmt die Jungfische an, hält sich an ihnen
fest. Dabei erfolgt offenbar ein Stich in das Körpergewebe, was sehr
schmerzhaft zu sein scheint. Dieser Schluss erfolgt daraus, weil die
gestochenen Exemplare in Panik Loopings vollführen, zittern oder sich
schüttelnd um die eigene Achse drehen. Auch wird durch Scheuern
versucht, den schmerzhaften „Reiter“ wieder loszuwerden. Ebenso kommt
es vor, dass brutpflegende Apistogramma-Weibchen befallene wild
umherschießende Jungfische ins Maul aufnehmen und durch Kaureaktionen
von dem Stecher befreien. Nur hat dies wenig Erfolg. Der Jungfisch
stirbt trotzdem binnen weniger Minuten wahrscheinlich an einem Gift
oder dem Stich selbst. Dies geschieht auch noch, wenn Jungfische
bereits fünf Millimeter Größe aufweisen! Später vollenden Pilze der
Stecher Werk. Geraten diese einmal in Diskusbecken, reagieren selbst
größere Exemplare entsprechend mit Zucken und Schütteln oder färben
sich dunkelbraun bis schwarz und stellen die Nahrungsaufnahme ein.
Später begeben sie sich in die dunkelsten Bereiche im Becken, wo sie
offenbar etwas Schutz genießen, weil die Dichte der Krebse dort weniger
ist.

 
 

© Fotos: O. Böhm





Die Larven der Blaugrüne Mosaikjungfer, Aeschna cyanea, heißen „Nymphen“ oder „Halbpuppen“ und leben im Wasser. Sie sind Räuber, die viele kleine Wassertiere fressen.







Das sind die wirklich gefährlichen Beifänge aus heimischen Gewässern!
Gegen sie helfen keine Chemikalie und kein Sieb, da sie selbst
Futtergröße haben. In dieser Zeit füllen dann die Nauplien von Artemia
salina jene Lücke, welche durch den Ausfall des Nano-Plankton in
heimischen Gewässern entsteht. Überaus vorsichtig beim Anfüttern von
Jungfischen noch im September, tritt erst im Oktober der Zustand vom
Mai wieder ein. Die neue Winterpopulation der „Nichtstecher“ entwickelt
sich prächtig. Vergessen Sie aber nicht das Sieb! Die Natur und Ihre
Fische werden es Ihnen danken.

Mit freundlicher Genehmigung der
Redaktion der ATInfo und des Verfassers  übernommen
.

Gefährliche Beifänge

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