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Freiland- und Terrarienbeobachtungen an der Streifen-Mabuye, Trachylepis vittat  
Geschrieben von kekule am Freitag, 24. November 2006

Terraristik
Hans Esterbauer

Die bei Terrarianern so beliebten Mabuyen (Gattung Mabuya
sensu lato), die mit mehr als 100 Arten in Asien, Afrika und Amerika
vertre­ten waren, hat man nun in vier verschiedene Gattungen
aufgespaltet (Mausfeld. P. et al. 2002). Mabuya sensu stricto für Südamerika, Chioninia für die Kap Verden-Radiation, Trachylepis für die afrikanisch-madagassisch-kleinasiatischen Arten und Eutropis für die asiatischen Arten).

Die überwiegende Anzahl dieser Skinke vermehrt sich ovibar, doch gibt es auch einige Arten die sich ovovivipar Fortpflanzen. Zu den zuletzt er­wähnten gehört Trachylepis vittata (Gmelin, 1789), die sich vom östlichen Algerien bis Ägypten und von Israel über Syrien bis Kleinasien verbreitet. Diese bis etwa 20 Zentimeter lange Glattechse findet sich so gut wie niemals als Pflegling in unseren Terrarien, obwohl sie sich recht gut zur Aufnahme in die Obhut des Menschen eignet.




Männchen von Trachylepis vittata,

mit sehr klarer Zeichnung im Terrarium des Verfassers



Etwa 60 % der Gesamtlänge der Tiere entfallen auf den Schwanz. Der Rumpf trägt gut ausgebildete Gliedmaßen, die mit je fünf Zehen enden. Die Grundfärbung des Rückens wirkt braun, doch kann der Farbton individuell variieren. Auf dem Kopf beginnen vier Reihen dunkler Flecken, die sich bis zum Schwanz erstrecken und oft undeutlich ausgebildet sind. Von der Schnauzenspitze bis zu den Hinterbeinen verläuft beiderseits über die Flanken ein etwa ein Millimeter breites gelbliches Band, das oberseits mit einem dunklen, fast schwar­zen Streifen gesäumt ist. Darüber findet sich ein weiteres dunkles, fast schwarzes, vier Millimeter breites Band, begrenzt von einer etwa ein Millimeter breiten, weißen Schuppenreihe. Die Bauchseite wirkt weil grau und auffallend glatt, wie bei den mei­sten Skinken. Jungtiere sind einheitlich braun ge­färbt und weisen keine Zeichnung auf.





Weibchen Trachylepis vittata,
haben oft eine mehr verschwommene Körperzeichnung




In einem Zeitraum von insgesamt zweieinhalb Jahren hatte ich die Gelegenheit, diese gewandten Echsen in ih­rem natürlichen Lebensraum im Nahen Osten zu beobachten, wobei der Beobachtungsschwerpunkt in Syrien lag. Dort hatte ich auch die Gelegenheit zahlreiche dieser interessanten Reptilien in Terrarien pflegen.






Dieses Jungtier von Trachylepis vittata,
konnte sich offensichtlich nicht aus der Eihaut
befreien und starb unmittelbar nach der Geburt





Wie alle Tiere, ist auch Trachylepis vittata in ihrer Lebensweise und in ihrem Verhalten von den Gegebenheiten der Umwelt, vom Klima, vom Wetter und vorn Nahrungsangebot abhängig. Der bevorzugte Lebensraum ist vor allem durch einen Bewuchs mit Gras und Gebüsch ge­kennzeichnet. Man findet die Tiere in Syrien entlang des bis zu 1385 Meter hohen, bewaldeten Küstengebirges Jebel el Ansariye bis Iskenderun, aber auch in der Umgebung von Homs, Hamma, Aleppo sowie in den Mohafazat Damaskus, Qunaitra, Daraa und Su­weida bis zu einer Höhe. von 2200 Meter am Jebel ash Shaykh. Ein Vergleich der meteorologischen Verhältnisse in vier ausgewählten Provinzen zeigt deutlich, dass die Trachylepis vittata in durchaus unter­schiedlichen klimatischen Zonen zu Hause ist.


Von der Küste bis zum Landesinneren im Bereich Aleppo geht das Mittelmeerklima in höhere Wärmewerte über. Deutliche Unterschiede findet man auch zwischen dem mediterranen Küstenstreifen mit seinen milden Wintern und mäßig warmen Sommern gegenüber dem Kontinentalklima Syriens, das sich durch die hohen täglichen und jahreszeitlichen Tem­peraturschwankungen auszeichnet. In den Bergen des Mohafazat Damaskus und Qunaitra (Jebel ash Shaykh) sowie in Suweida (Jabal Al Arab) herrscht im Winter eine extreme Kälte, während die Temperatur im Sommer bis auf 50 °C ansteigen kann.





Junges Exemplar von Trachylepis vittata ; etwa eine Woche alt




Im Frühjahr kommen die Trachylepis vittata aus ihren Überwinterungsquartieren in Erdhöhlen oder unter Stei­nen hervor; das geschieht in den höheren Lagen und bei kühlerer Witterung selbstverständlich später als in den Niederungen und im warmen Klima. Wäh­rend der Winterruhe verlieren die Echsen geringfügig an Gewicht, doch gleichen sie den Verlust im Frühjahr dank des reichlichen Angebotes an Nahrung bald wieder aus. In der Hauptsache besteht die Nahrung aus Insekten und Spinnentieren, gelegentlich aber auch aus jungen Echsen und selbst Jungtieren der eigenen Art. Ihren Wasserbedarf decken Trachylepis vittata mit Hilfe der Flüssigkeit, die in der Nahrung enthalten ist, oder indem sie Tautropfen auflecken. Nach einem Regenschauer sah ich die Echsen aus ihrem Unterschlupf hervorkommen und aus den Pfützen trinken bzw. Wasser von Steinen ablecken.






Trachylepis
vittata, im Bild ein Männchen,
sonnen sich gerne auf einer erhöhten Stelle





Im Gebiet des östlichen Golans, meines bevorzugtem Beobachtungsgebietes in Syrien, beginnt die Paarungs­zeit gegen Ende Mai. Das Paarungsverhalten von Trachylepis vittata gleicht dem der Eidechsen (Lacertiden). Das Männchen folgt zunächst dem Weibchen. Ist die Partnerin paarungsbereit, er­laubt sie dem Männchen, sich an der Flanke festzu­beißen. Treffen zwei Männchen aufeinander, kommt es zu einem heftigen Kommentkampf, der nicht sel­ten in einen Beschädigungskampf übergeht.


In den Populationen scheint das Zahlenverhältnis zwischen den beiden Geschlechtern und den Jungtieren ausgewogen zu sein, soweit ich das feststellen konnte. Allerdings ist die Anzahl der jeweils geborenen Jungen gering und hängt wohl auch von dem Alter und damit Größe des Muttertieres ab. Vier Jungtiere in einem Wurf war die höchste Anzahl, die ich ermitteln konnte.





Trachylepis vittata, ist ein Bodenbewohner,
der gelegentlich auch auf Sträuchern oder niederen Bäumen aufhält





Trachylepis vittata lebt sehr ortstreu. Während eines Zeitraumes von sechs Wochen hielt sich ein Weibchen ständig auf einer nur neun Quadratmeter großen Fläche auf, so dass ich das Tier leicht beobachten konnte. Dieses Revier lag in 1254 Meter Höhe; es war mit schütterem Grasbewuchs und kleineren Felsen bedeckt, die vorzügliche Versteckmöglichkeiten boten. Eine zwei Meter hohe Aleppokiefer ( Pinus halepensis ) bildete die Westgrenze des Reviers. Innerhalb dieses kleinen Lebensraumes sonnte sich die Echse, kletterte im Geäst der Kiefer umher und machte Jagd auf Beutetiere. Mitte Juni verpaarte sich das Weibchen mit einem Männchen, das sich kurz zuvor noch gegen einen Rivalen behaupten musste. Anfang August fing ich, nur vier Meter vom Mittelpunkt des Reviers entfernt, zwei Jungtiere ein. Sie wiesen eine durchschnittliche Kopf-Rumpf-Länge von 3,2 Zentimetern und eine Schwanzlänge von 4,4 Zentimetern auf.


Im Herbst neigt sich die Aktivitätsperiode von Trachylepis vittata ihrem Ende zu. Die mittlere Tagestemperatur sinkt, die Dauer der Sonneneinstrahlung geht zurück, und die Regenfälle setzen ein. Auch endogene Signale tragen dazu bei, dass sich die Tiere nun allmählich auf die bevorstehende Winterruhe umstellen. Zu diesem Zweck wühlen sie sich unter Steinen in das Erdreich ein oder verkriechen sich in Erdspalten. Je nach der Klimazone, der Höhenlage und des jeweils herrschenden Wetters dauert die Winterruhe einige Wochen bis mehrere Monate, während derer der Stoffwechsel der Echsen „auf Sparflamme“ läuft.





Die Larven des Mehlkäfers ( Tenebrio molitor )
werden von Trachylepis vittata zwar gerne gefressen,
sind aber wegen ihres ungünstigen Calcium-Phosphor-
Verhältnisses ein minderwertiges Futter





Trachylepis vittata - jeweils ein Männchen mit ein bis zwei Weibchen - pflegte ich in mehreren 120 Zentime­ter langen, 50 Zentimeter breiten und 55 Zentimeter hohen Terrarien, die im Freien aufgestellt waren. Die Inneneinrichtung der Terrarien bestand aus einem Wasserbehäl­ter, einer ca. sechs Zentimeter tiefen Sand-Ton-Schicht, ei­nem Kletterast und einem länglichen Stein, der zahlreiche Löcher aufwies. Die Vorderscheibe bestand aus Glas, die anderen Wände und die Abdeckung waren aus Fliegengaze gefertigt.


Die meisten etwa 20 Zentimeter großen Weibchen wiesen eine ver­schwommene Körperzeichnung auf; die Männchen, deren Streifenzeichnung deutlicher zutage trat, waren mit durchschnittlich 17,8 Zentimeter etwas kleiner. Zeitweilig lebten die Trachylepis vittata in Gesellschaft mit Schlangenaugen-Eidechsen ( Ophisops elegans ehrenbergii ), Nördlichen Fächerfingergeckos ( Ptyodactylus puisieuxi ) und gewöhnlichen Chamäleons ( Chamaeleo chamaeleon recticrista ). An Futter reichte ich alles, was den Tieren auch in der freien Natur zur Verfügung stand.


Lebhaft kletterten die Trachylepis vittata im Terrarium umher, jagten mit wilden Sprüngen nach Beutetieren oder lagen, alle vier Beine von sich gestreckt, auf dem Stein und ließen sich von der Sonne bescheinen. Ih­re morgendliche Aktivität begann zwischen 6.30 und 7.15 Uhr; zwischen 17 und 18 Uhr verkrochen sie sich unter dem Stein. Dort verbrachten sie sowohl die Nacht als auch Tage, an denen schlechtes Wet­ter herrschte. In gleicher Weise verhielten sich die Artgenossen im Freiland.



 



Trachylepis vittata, wurden u. a. auch mit
Zehnstreifen-Zwergnattern, Eirenis decemlineatus, vergesellschaftet


 






Von den zahlreichen Geburten möchte eine herausgreifen. Am 3. September 1983 gebar ein Weibchen zwei Junge. Eines davon hatte sich nicht aus der Eihülle befreien können und verstarb unmittelbar nach der Geburt. Das andere aber, das eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,9 Zentimeter und eine Schwanzlänge von 4,2 Zentimeter aufwies, hatte die Geburt gut überstanden und entwickelte sich prächtig. Als Futter bekam das Jungtier kleine Heuschrecken, Gottesanbeterinnen und kleine Fliegen. Vergleicht man übrigens die Gesamtlänge von etwa sieben Zentimetern und den Kopfdurchmesser von vier Millimetern eines Jungtieres mit den Ausmaßen des Muttertieres, erscheint es durchaus verständlich, dass die Anzahl der Jungen in einem Wurf nicht sehr groß sein kann.


Beachtlich ist das Regenerationsvermögen von Trachylepis vittata . Am 7. August 1983 fing ich, 2,5 Kilometer nordwestlich der Ortschaft Hadar in 1452 Meter Höhe, ein 19 Zentimeter langes Weibchen, an dessen Seite eine ungefähr zwei Zentimeter lange Wunde klaffte; sie war so tief, dass man die Eingeweide im Innern des Tieres sehen konnte und wurde offensichtlich von einem Vogel verursacht. Da ich die Echse für nicht mehr lebensfähig hielt, nahm ich sie in der Absicht mit, sie an eine meiner Eidechsennattern ( Malpolon monspessulanus insignitus ) zu verfüttern. Zunächst brachte ich das Tier in einem gesonderten Terrarium unter. Dort aber nahm es bereits nach wenigen Stunden Nahrung zu sich, und daher beschloss ich, den Invaliden weiter zu beobachten. Im Vergleich zu seinen gesunden Artgenossen war seine Aktivität merklich herabgesetzt, doch nahm der Skink auch weiterhin Nahrung an, und die Wunde schloss sich von Tag zu Tag immer mehr. Drei Wochen später war von der Verletzung kaum mehr etwas zu sehen; auch das Verhalten des Tieres hatte sich nun normalisiert.





Zu den zahlreichen Fressfeinden von
Trachylepis
vittata gehört auch die Walzenspinne, Galeodes orientalis





In Syrien war Trachylepis vittata sehr leicht zu halten; schon nach wenigen Wochen waren die Tiere handzahm geworden. Ob und inwieweit die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse im mittleren Europa irgendwelche Probleme für die Pflege der Art im Terrarium bieten, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich selbst keine Erfahrungen hierzu gesammelt habe. Ein Bekannter pflegte aber über einen längeren Zeitraum ein Trachylepis vittata -Paar Seine Terrarien war mit Heizung, Beleuchtung und Ultraviolettstrahlern ausgestattet. Die Tiere erhielten ein abwechslungsreiches Futter, bestehend aus Grillen, Heuschrecken, Mehlwürmern, Schaben, Wachsmotten und anderen Insekten. Bei dieser zweckdienlichen Unterbringung und vielseitigen Er­nährung waren die Skinke stets bei bester Gesundheit und machen ihrem Pfleger viel Freude. Leider verlor ich mit der Zeit den Kontakt zu diesem Terrarianer, so dass ich über das weitere Schicksal dieser Skinke keine Informationen habe.


 


Literatur


Bodenheimer, F. S. (1935): Animal life in Palestine.- Jerusalem (L. Mayer), 570 S.


Esterbauer, H. (1985): Bemerkungen zum Lebensraum und Verhalten der Glattechse Mabuya vittata in Syrien.- DATZ, Essen, 38 (9): 416 - 419.


Esterbauer, H. (1985): Zur Herpetofauna Südwestsyriens.- herpetofauna, Weinstadt, 7 (38): 23 - 34.


Esterbauer, H. (1992): Die Herpetofauna des östlichen Golan- und Hermongebietes - Fundorte und Bemerkungen zur Systematik und Ökologie.- Zoology in the Middle East, Heidelberg, 7: 21 - 54.


Esterbauer, H. (2006): Skinke - Biologie und Haltung in der terraristischen Praxis.- Dokumentation 2004 und 2005 des Internationalen Symposions für Vivaristik, Wien, 29: 57-63.


Hoofien, J. H. (1972): A taxonomic list of the reptiles of Israel and its administered areas.- Tel Aviv.


Mausfeld. P. et al. (2002): Mabuya, Afrika: Euprepis; Kap Verden: Chioninia, Asien: Eutropis Südamerika.- Zool Anz. 241: 281-293;


Mausfeld, P. & A. Schmitz (2003): Molecular phylogeography, intraspecific variation and speciation of the Asian scincid lizard genus Eutropis Fitzinger, 1843, (Squamata: Reptilia: Scincidae): taxonomic and biogeographic implications.- Organisms, Diversity and Evolution, 3: 161-171.


Rogner, M. (1994): Echsen 2.- Stuttgart (Verlag Eugen Ulmer), 270 S.


Sivan, N. & Y. L. Werner (1992): Survey of the reptiles of the Golan Plateau and Mt. Hermon , Israel.- Israel Journal of Zoology, Jerusalem , 37: 193 - 211.


Werner, Y. L. & E. Avital (1980): The herpetofauna of Mt. Hermon and its altitudinal distribution.- Israel Journal of Zoology, Jerusalem , 29: 192 - 193.


Werner, Y. L. (1995): A Guide to the Reptiles and Amphibians of Israel (hebräisch).- Jerusalem (Nature Reserves Authority – “Yefe-Nof” Library), 86 S.


 


Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der ATInfo und des Verfassers  übernommen.

Freiland- und Terrarienbeobachtungen an der Streifen-Mabuye, Trachylepis vittat

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