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AquariumpflegerAT
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« Antwort #1 am: 17. Oktober 2005, 22:24:32 » |
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Hallö ich werde dir mal etwas helfen beim suchen und habe natürlich etwas in meiner Datenbank gefunden: Sollte jemand wissen wer das mal geschrieben hat, bitte sagen da ich leider den Namen des Schreibers nicht habe: ( hier hat meine Datenbank am anfang noch große Fehler gemacht ;( )
Hamburger Mattenfilter, Technik und Biologie
Bis vor etwa fünf oder mehr Jahren führte der Hamburger Mattenfilter in der Aquaristik ein Schattendasein. Lediglich bei Züchtern und einigen Aquarianern war er bekannt und beliebt. Dieses zumeist auch nur im Hamburger Raum. Mit wachsender Bedeutung des Internets konnte auch der breiten Aquarianerschaft diese Art der Filterung aufgezeigt werden und der Mattenfilter verbreitete sich unter den internetsurfenden Aquarianern wie ein Lauffeuer. Dieses begründet sich durch verschiedene positive Eigenschaften. Der Filter ist sehr kostengünstig, er ist äußerst wartungsarm, er sorgt für eine zuverlässige bakterielle Stoffumsetzung und gibt dem Aquarium eine erhebliche biologische Stabilität. Auch ist seine Bauart einfach und variabel. Daneben dient die Schaumstoffmatte für viele Fischarten und Garnelen als gerne aufgesuchter Weidegrund. Naturschutzgebiet für Bakterien. Die Grundüberlegung des Mattenfilters beruht auf der Tatsache, dass zur Mineralisation der organischen Abfallstoffe eines Aquariums ausreichend Bakterien vorhanden sein müssen und diese von dem Wasser mit einer vernünftigen Fließgeschwindigkeit angeströmt werden sollten. Wenn das Filtervolumen zu gering und/oder aber die Fließgeschwindigkeit zu hoch ist, verlagert sich die Bakterienmasse zunehmen aus dem Filter heraus in das Aquarium. Sofern man die freie Mulmmenge im Aquarium duldet, ist das grundsätzlich kein Problem. Da Mulm im Aquarium aber normalerweise den optischen Ansprüchen widerspricht, wird er beim Wasserwechsel großzügig mit abgesaugt. Auf diese Weise entfernt man quasi den Filter des Aquariums. Das wirkt sich dann auf das Aquarium aus. In einer Schaumstoffmatte ist der Filterschlamm hingegen vor Zugriffen weitestgehend geschützt. Die Matte stellt somit eine Art Naturschutzgebiet für die Bakterien dar. Der Schlamm kann alt werden und damit Fähigkeiten entwickeln, die er in regelmäßig gereinigten Filtern nicht erlangt. Aufbauprinzip Als praktikabel hat sich eine senkrecht in das Becken gestellte Schaumstoffmatte erwiesen, deren Fläche so bemessen ist, dass die Fließgeschwindigkeit in einem Bereich von 5 bis 10 cm/Minute liegt. Die Matte wird dabei so in das Becken eingebracht, dass das Wasser zwingend den Schaumstoff durchqueren muss. Die einfachste und gebräuchlichste Bauart ist eine senkrecht neben eine Seitenscheibe eingestellte Schaumstoffmatte. Das Wasser wird per Luftheber oder Kreiselpumpe aus dem Raum zwischen Matte und Seitenscheibe wieder in den eigentlichen Aquariumbereich befördert. Dadurch ergibt sich ein Wasserspiegelunterschied und durch den hydrostatischen Druckunterschied fließt das Wasser von der Aquarienseite her sehr gleichmäßig durch die Matte. Vergleich mit Topffiltern Die Entwicklung der hinlänglich bekannten Topffilter brachte die Aquaristik seinerzeit ein gutes Stück weiter. Allerdings ging damit die Kultur der Altwasserpflege verloren und die Aquarien werden seit dem oftmals stark überbesetzt. Man mutete den Topffiltern mehr zu, als sie tatsählich leisten können. Ihre Leistungsfähigkeit ist begrenzt, weil nur ein Teil des Filtermediums bakteriengerecht durchströmt wird. Es bilden sich gerade in Watte Strömungskanäle aus, durch die das Wasser sehr schnell durchrauscht, andere Bereiche hingegen sind kaum durchströmt und werden nahezu anaerob. Insofern ist das tatsächlich aktive Volumen sehr viel kleiner, als es die Größe des Filters vermuten lässt. Wenn nun Aquarien mit Topffilter problemfrei funktionieren, dann liegt das m.E. daran, dass sich im Aquarium selbst eine alternative Bakterienflora ausgebildet hat, die das fehlende Volumen ersetzt. Wenn man diese z.B. per Wasserwechsel absaugt, dann wird das Aquarium biologisch instabil und es kommt in der Folge zu Problemen, die sich niemand erklären kann. Gleichmäßige Durchströmung Die Größe des Hamburger Mattenfilters wird der Aquariengröße so angepaßt, dass die Strömungsgeschwindigkeit rechnerisch in einem Bereich zwischen 5 und 10 cm/Minute liegt. Diese Durchströmung ist tatsächlich gegeben, da abgesehen von der obersten Schicht an jeder Stelle der gleiche Wasserdruck auf die Matte wirkt. Das Wasser erzeugt einen horizontalen Druck gegen die Matte, der eine dreieckige Figur hat. Dieses erflolgt von beiden Seiten der Matte. Da der Wasserspiegel hinter der Matte durch den Pumpensog etwas niedriger ist als vor der Matte, ist auch das Druckdreieck etwas kleiner. Der resultierende Wasserdruck ergibt sich durch Überlagerung der Dreiecke und es bleibt abgesehen von dem kleinen Dreick oben ein Rechteck über. Dieses entspricht dem resultierenden Wasserdruck und ergibt eine gleichmäßige Durchströmung der Matte. Wenn sich jetzt einzelne Bereich der Matte überdurchschnittlich mit Schlamm dichtsetzen, so weicht das Wasser in andere Bereiche aus und setzt diese ebenfalls stärker zu. So gleicht sich der Druck und damit die Durchströmung immer aus. Die Strömunggeschwindigkeit in der Matte wird natürlich beeinflusst durch die Kapillaren und den Verschlammungsgrad. Man kann aber davon ausgehen, dass die Strömungsgeschwindigkeit im Mittel im angestrebten Bereich liegt und man aufgrund der feinen Kapillarstruktur eine sehr große aktive Oberfläche hat. Berechnung des Mattenfilters Es gibt verschiedene Wege, um an die richtige Mattengröße heran zu kommen. Einmal kann man rechnerisch die geeignete Größe der Matte ermitteln, sinnvoller ist es dagegen eher, die konstruktiv geeignete Größe anzusetzen und die Pumpe entsprechend auszulegen. Beispiel: Aquarium: 100cm x 40cm x 50cm, V = 200 ltr Die Matte soll neben der Seitenscheibe stehen und hat damit eine Größe von A = 40 * 50 cm = 2000 cm Die Frage ist nun, welche Pumpe eingebaut werden muss, damit die Strömungsgeschwindigkeit sich im Bereich von 5 bis 10 cm einstellt. Zielgeschwindigkeit ist v = 5 cm/Minute Gesucht ist die Pumpenleistung pro Stunde. Damit man Strömungsgeschwindigkeit v in [cm/Minute], Pumpenleistung Q in [ltr/h] und Mattenfläche in [cm²] einheitengerecht behandelt, sind ein paar Faktoren erforderlich. A [cm²] * v [cm/Minute] * 60 Q [ltr/h] = ------------------------------------------- 1000 Für obiges Beispiel bedeutet dieses 2000 * 5 * 60 ------------------ = 600 1000 also eine Pumpenleistung von 600 ltr/h. Das wiederum bedeutet einen 3-maligen Beckendurchsatz pro Stunde. Ein akzeptabler Wert. Man kann die Berechnung von verschiedenen Seiten her aufziehen, aber es läuft immer auf das gleiche hinaus. Die Geometrie des Aquariums hat bei der herkömmlichen Anordnung neben der Seitenscheiben einen großen Einfluss auf die Berechnung und damit auf die Wirkung des Filters. Ich würde aus heutiger Sicht keine Matte mehr so auslegen, dass die Geschwindigkeit unter 3 cm/Minute liegt, lieber eine kleinere Matte wählen oder eine stärkere Pumpe. Eine kleinere Matte erfordert jedoch konstruktive Zusatzmaßnahmen, z.B. das Einkleben von Glasstreifen als Klemmkante. Das ist nachträglich natürlich schlecht machbar. Man sollte m.E. aber ein funkionierende Aquarium eh nicht umbauen, nur weil es was besseres gibt. Wenn man jedoch anhaltende Probleme mit dem Aquarium hat, empfiehlt sich ein Neustart und in dem Zuge kann man dann auch das Aquarium auf einen angepassten Mattenfilter umstellen. Der Mattenschaumstoff Der verwendete Schaumstoff muss frei von chemischen Ausdünstungen sein. Es gibt aber inzwischen im aquaristischen Fachhandel ein reichhaltiges Angebot an geeigneten Matten. Die Porengröße variiert zwischen fein, mittel und grob. Ich bevorzuge die feine Variante. Wenn man jedoch stark gründelnde Fische hat, oder aber aus anderen Gründen mit einem überdurchschnittlichem Treibgutanteil rechnet, dann ist die gröbere Schaumstoffvariante erfahrungsgemäß besser geeignet. Die Stärke des Schaumstoffes beträgt i.a. 5 cm. Bei Abmessungen über 50x60 cm kann es sinnvoll sein, einen dickeren Schaumstoff zu nehmen, da die Matte ansonsten zu instabil wird. Bei sehr kleinen Becken reicht auch 3cm. Der wesentliche Abbauvorgang erfolgt offensichtlich in den ersten 1 bis 2 cm der Matte. Diese Matten brauchen naturbedingt eine längere Einfahrzeit. Hinsichtlich ihrer biologischen Wirkung sind sie im eingefahrenen Zustand gleichwertig. Zuschnitt der Matte Der Zuschnitt der Matte erfolgt mit ca. 1% Überbreite, damit sich sicher zwischen den Scheiben klemmt und das Wasser nicht seitlich vorbei läuft. Bei einer lichten Beckenbreite von 40 cm schneidet man die Matte also auf etwa 40.5 cm Breite. Die Höhe ist so zu wählen, dass die Matte auf der Bodenscheibe aufsteht und über den Wasserspiegel hinausreicht. Der Zuschnitt selbst erfolgt z.B. mit einem scharfen Brotmesser an einem Lineal entlang. Dabei sollte die selbst nur wenig gedrückt werden, damit sich eine möglichst ebene Schnittfläche ergibt. Das Loch für die Rohrdurchführung wird durch einen einfachen Stich mit dem Messer erstellt. Kreiselpumpen Die Wasserförderung erfolgt durch eine Kreiselpumpe, bei Becken bis 100 ltr kann man auch einen Luftheber einsetzen. Die Pumpe kann, wenn sie klein genug ist, hinter der Matte plaziert werden, ansonsten halte vor der Matte. Sie wird durch Saughalter z.B. an der Rückscheibe befestigt und das Wasser wird durch Rohrleitungen der Pumpe zugeführt. Die Rohrleitung erfolgt durch handelsübliche Aquarienrohrsystem, z.B. von der Fa. Dose-Aquaristik (www.hobby-dohse.com). Die Pumpe sollte so konstruiert sein, dass man problemlos und sicher die Rohre anschließen kann. Das ist z.B. bei den meisten Eheim-Modellen (www.eheim.de) der Fall. Ansonsten gibt es keine besonderen Anforderungen an die Pumpe. Einfahrzeit, Mattenpflege und Lebensdauer Eine neue Matte muss eingefahren werden, damit sich eine leistungsfähige Bakterienflora etwabliert. Dieser Vorgang dauert ca. vier Wochen. Fische können unter Berücksichtigung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen auch schon vorher eingesetzt werden. Der sogenannte Nitritpeak sollte aber überstanden sein. Richtig leistungsfähig ist eine Matte aber erst nach ca. einer viertel Jahr. Man erkennt es an einer gleichmäßigen braunen Einfärbung. Eine aktive Pflege der Matten ist normalerweise nicht erforderlich. Erst in späteren Jahren wird regelmäßiges grobes Absaugen der aquarienseitigen Mattenoberfläche erforderlich. Das lässt sich im Zuge eines Wasserwechsels aber ohne Aufwand bewerkstelligen. Nach weiteren Jahren dann können sich erste Auflösungserscheinungen der Matte zeigen. Meine ältesten Matten sind aus den Jahren 1991 und 1992. Sie tun immer noch ihren Dienst. Man kann also von sehr langen Standzeiten ausgehen. Wenn die Matte von raspelnden Fischen permanent traktiert wird, reduziert sich die Lebensdauer natürlich schon etwas. Eigenschaften der Filterbiologie Wie eingangs schon erläutert, sind es die Bakterien, die die eigentliche Stoffumsetzung bewerkstelligen. Es sind die gleichen Bakterien, wie sie auch sonst im Aquarium zu finden sind. Im Mattenfilter etabliert sich genau diese Flora. Man hat es also mit einem echten Biofilter zu tun. Ohne Dreck geht es nicht. Damit die Bakterien gut arbeiten können, müssen sie bei Laune gehalten werden. Das erreicht man durch die schon erwähnte angemessene Anströmgeschwindigkeit und durch eine Mindestbelastung des Wassers. Die Bakterienmenge passt sich langfristig an die gegebene mittlere Wasserbelastung an. Wenn das Wasser zu nährstoffarm wird, z.B. durch ausbleibende Fischfütterung, geht die Bakterienpopulation zurück und ist dann im Falle einer plötzliche Wasserbelastung nicht ausreichend leistungsfähig. In normalen Aquarien spielt dieser Tatbestand keine Rolle, in bodengrund- und pflanzenlosen Zuchtaquarien aber schon eher. Wenn solche Becken eine Zeit lang ohne Fischbesatz betrieben werden, geschieht das vorbeschriebene. Man kann sich dann auch in einem eingefahrenem Aquarium Nitritprobleme einhandeln. Die von mir genannte anzustrebende Anströmgeschwindigkeit von 5 bis 10 cm/Minute resultierte aus langjährigen Erfahrungswerten und Anleihen aus der Klärwerkstechnik. Wissenschaftlich begründet wurde der Wert m.E. nicht. Deshalb habe ich systematische Versuche mit photometrischer Messung der NO3, NO2 und NH4-Werte an einem Becken ohne Bodengrund und Pflanzenbewuchs vorgenommen. Der Mattenfilter wurde gezielt eingefahren und die Wasserbelastung kontrolliert gesteigert. Nach einigen Wochen der Vorbereitung wurde in 24h-Abständen die Pumpenleistung variiert und nach einer Adaptationszeit von weiteren 18- 24h das Wasser vor und hinter dem Filter gemessen. Idealisiert ergab sich entsprechendes Bild. Unterhalb von ca. v = 3 cm/Minute stieg der Nitritwert rasant an, bei v = 6 cm/Minute war die Matte am effektivsten. Dann nahm die Effektivität der Matte konitinuierlich ab. Nun sind diese Ergebnisse nicht einfach auf jedes bepflanzte Aquarium übertragbar. Dort wirken Pflanzen und die freie Bakterienflora stark ausgleichend. Dennoch zeigte sich eindrucksvoll, dass der genannte Strömungsgeschwindigkeitsbereich tatsächlich empfehlenswert ist. Alternative Bauformen Seit meiner ersten Veröffentlichung des Mattenfilters im Internet haben sich immer wieder Aquariaber darangemacht, die ursprüngliche Bauform zu verändern. Ziel war es dabei, die vermeindlich störende Optik zu verbessern, oder aber den Platzverlust zu kompensieren. Die Matten wurden also in externe Becken verlagert. Biologisch dürfte das keine starken Auswirkungen haben, aber einige Vorteile des Mattenfilters gehen dabei verloren. Als echter Innenfilter kann ja kein Schlauch abplatzen und durch die geringe Sogwirkung. Eine interessante Alternative ist der gebogene Mattenfilter. Die Schaumstoffmatte wird zu einem Viertelkreis gekrümmt und dann in eine der beiden hinteren Ecken des Aquariums gestellt. Damit die Matte fest klemmt, werden jeweils zwei senkrechte Glasleisten als Anschlag per Silikon an die Rück- und Seitenscheibe eingeklebt. Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass sich genau die richtige Mattengröße einsetzen lässt. Ansonsten ist man ja an die Größe der Seitenscheibe gebunden. Je nach Beckengeometrie kommt es vor, dass man nicht die Zielwerte v = 5 bis 10 cm/Minute und Beckenumwälzung 1 bis 2 mal pro Stunden trifft. Das ist in der Praxis nicht so relevant, wer es aber ganz genau haben möchte, der wird es mit der gebogenen Matte auch hin bekommen.
lg marco
[Editiert am 17/10/2005 von AquariumpflegerAT] Nachträglich aus Copyrightgründen Editiert von Krypton (Fritz) Hier der Link zum Originalbericht http://www.datz.de/GEIZ2DH2nBnEp7Yp7F1omB1Mk.HTML
[Editiert am 18/10/2005 von Krypton]
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